Risiko – Warum du deinen Fokus auf Chancen legen solltest.

Ein Risiko ist ein Ereignis mit negativen oder positiven Ausgang. Anders gesagt, geht man bewusst eine Gefahr ein, um eine Chance wahrzunehmen. Risiko findet sich in allen Entscheidungen wieder. Wenn du dich entscheidest, abends eine Stunde länger Playstation zu spielen, riskierst du morgens unausgeschlafen zu sein. Im Gegenzug hast du die Chance, eine neues Level in deinem Game zu erreichen. Zugegeben ein überschaubares Risiko mit kleinem positiven Ausgang. Was passiert aber, wenn du vor einer größeren Entscheidung stehst?

Soll Daniel Studieren oder eine Ausbildung anfangen?

Daniel ist 20 Jahre alt, hat gerade mit seinem Abitur abgeschlossen und ist in einer festen Beziehung mit Lisa. Nun steht er vor der wichtigen Entscheidung, welchen beruflichen Schritt er gehen wird. Er hat die Wahl zwischen einem Ausbildungsplatz in seiner Heimatstadt oder einem Studium im Ausland.

Ausbildung: Mit einer Ausbildung verdient Daniel relativ früh Geld, kann die nahe Zukunft sicher planen und zeitnah mit Lisa zusammenziehen.

Studium: Daniel verzichtet auf ein frühes Einkommen, kann dafür in Ausland gehen und später einen lukrativen Job annehmen. Allerdings stellt das Studium seine Beziehung auf eine Belastungsprobe.

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Wie wir Entscheidungen treffen

Entscheidungen sind meist sehr individuell und stark auf die jeweilige Lebenssituation abgestimmt. Ist diese gerade sehr monoton, tendierst du eher zum Studium im Ausland. Bist du hingegen zufrieden mit dem Status Quo, hast du sehr wahrscheinlich für die Ausbildung gestimmt.

Entscheidungen können sehr schnell und aus dem Bauch heraus getroffen werden. Du kannst aber in tiefe Analysen gehen, die Vor- und Nachteile abwiegen und dann ganz rational entscheiden. Interessanterweise haben Forscher nachgewiesen, dass Bauchentscheidungen, die blitzschnell getroffen werden, nicht schlechter sind als Entscheidungen des Verstandes. Dein Unterbewusstsein gibt dir eine Tendenz vor, die deine Erfahrungen, Wünsche und Ängste berücksichtigt. Meistens sind auch Faktoren inbegriffen, die dir selbst gar nicht so richtig bewusst sind.

  • Ich kann meinen Freundeskreis behalten → Ausbildung
  • Ich lerne eine neue Kultur kennen → Studium
  • Ich könnte das Studium nicht schaffen → Ausbildung
  • Die Ausbildung wird mich nicht fordern → Studium

In Daniels Fall wollen wir versuchen, eine rein rationale Entscheidung zu treffen. Einfachheitshalber gehen wir davon aus, dass seine Entscheidung rein auf dem finanziellen Vorteil beruht.

Ausbildung vs Studium eine rationale Entscheidung?

Daniel ist aktuell 20 Jahre alt und wird voraussichtlich bis zu einem Alter von 67 Jahren arbeiten.

Ausbildung: 47 Jahre Arbeitszeit zu durchschnittlich 40.000€ im Jahr = Bruttoverdienst: 1.880.000€

Studium: 42 Jahre Arbeitszeit zu durchschnittlich 50.000€ im Jahr = Bruttoverdienst 2.100.000€

Rational betrachtet müsste Daniel ein Studium vorziehen, um den Mehrverdienst von 220.000€ zu realisieren. Allerdings ist das eine sehr vereinfachte Entscheidung. Was passiert, wenn wir weitere Faktoren berücksichtigen, die sich nicht so leicht bestimmen lassen? Wie wahrscheinlich ist es, dass er sein Studium auch erfolgreich abschließt?

Spieltheorie für die Entscheidungsfindung

Die Spieltheorie ist ein Teilgebiet der Mathematik und hilft dir dabei, Entscheidungssituationen als Spiel zu modellieren, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Man unterscheidet dabei zwischen Spielen, in denen uns alle Informationen zur Verfügung stehen und Spielen, in denen wir unbekannte Konstanten berücksichtigen müssen.

Die unbekannte Konstante ist die Wahrscheinlichkeit, dass Daniel sein Studium/Ausbildung mit Erfolg abschließt. Daniel schätzt das Studium etwas schwerer ein.

  • [Ws] Wahrscheinlichkeit, das Studium zu schaffen = 70%
  • [Wa] Wahrscheinlichkeit, die Ausbildung zu schaffen =90%
  • [Ns] Nutzen des Studiums = 2.200.000€
  • [Na] Nutzen der Ausbildung = 1.800.000€

Studium = Ns * Ws =  1.540.000€

Ausbildung = Na * Wa = 1.620.000€

In diesem Fall, macht es Sinn, sich für die Ausbildung zu entscheiden. Allerdings haben wir auch hier nur einen Bruchteil der Ereignisse berücksichtigt, die eintreten können, ohne dass Daniel sie jetzt berücksichtigten kann.

–          Daniel stirbt mit 50, hat also weniger Arbeitszeit zur Verfügung oder

–          er lernt Maria im Auslandsstudium kennen, eine feurige Spanierin die Ihn ausraubt oder

–          er macht sich nach der Ausbildung mit dem dort Erlernten selbständig und verdient 100.000€ im Jahr…

Den Zufall einplanen

Rein rationale Entscheidungen für Ereignisse, die weit in der Zukunft liegen, sind meist wesentlich schwerer zu treffen als für kurzfristige Aktionen. Der Grund ist, dass der Zufall sich nur schwer beziffern lässt und oft Ereignisse stattfinden, mit denen man vorab gar nicht gerechnet hat. Treten Sie dann aber ein, haben Sie nachhaltige Folgen auf unser Leben. Der Börsenhändler und Multimillionär Nassim Nicholas Taleb bezeichnet solche Ereignisse als „Schwarze Schwane“.

Im Enddefekt ist es egal, wie sich Daniel entscheidet, sofern er sich über die Chancen seiner Entscheidung bewusst ist und diese auch wahrnimmt. Zumindest solange, bis ein neuer Faktor hinzukommt, den er berücksichtigten kann.

Zusammenfassung

  • Spieltheorie kann dir helfen, dir über deine Situation bewusst zu werden
  • Analysen sind bei weit entfernten Erreignissen zu ungenau, oft sind Bauchentscheidungen richtig
  • Jeder neue Faktor ist zu berücksichtigen
  • Jede Entscheidung birgt eine Gefahr und Chance, Chancen sind aber immer vorhanden
  • Der Zufall ist eine Konstante, die eintritt, sich vorab aber nur schwer berechnen lässt

 

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